Côte d Azur, Cinque Terre & Sardinien Teil 2

Sardinien

Nuoro, Orgosolo und Mamoiada

 15.05.2018

Es wäre schön gewesen, gleich in unser Hotel fahren zu können und uns in Ruhe die Umgebung an zu schauen. So aber saßen wir im Bus und fuhren durch den Regen. Das über 100 Kilometer entfernte Nuoro war unser erstes Ziel.

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Der erste Eindruck von Sardinien
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Auf dem Weg nach Nuoro, Blick in das sardische Hinterland

Nuoro

Der Reiseleiter ließ uns wissen, dass er die Wahl der Reisegesellschafr nicht verstünde. Und Orgosolo sei viel interessanter. Das kann ich nicht wirklich beurteilen, da unser Stopp hauptsächlich einer Bedürfnispause diente. Laut Reiseprospekt stammen aus Nuoro aber die meisten Künstler der Insel, darunter auch die Literaturnobel-Preisträgerin Grazia Deledda. Die Führung hat der Guide dann einfach ausfallen lassen. Auf der Suche nach einem Café schwärmten wir aus und verbrachten unsere Zeit im Trockenen. Ja richtig, es regnete. Beim Sprint zurück zum Bus hat sich auch niemand umgesehen. Ein Erinnerungsfoto habe ich gemacht.

nuoro

Im Bus erzählte unser Führer von dem zwiespältigen Charakter der Sarden, auf der einen Seite gastfreundlich und auf der anderen Seite schnell mit dem Messer bei der Hand. Weiterhin, dass in der Barbagia, der felsigen unwirtlichen Hochebene, die Entführer samt ihrer Opfer kaum auf zu finden waren.

 

Wer mehr über die düstere Seite der schönen Insel lesen möchte, für den habe ich am Ende zwei Links zu Artikeln der "Zeit" angefügt.

regen_fuer_sardiniens_durstige_natur

Der Regen unterwegs konnte auch sehr reizvoll sein, der Blick durch das Busfenster könnte fast ein Bild von Claude Monet sein.

Unterwegs waren immer wieder Trockenschäden zu beobachten, meine Vernunft ließ mich daher auch die positiven Seiten sehen.


Orgosolo

Im Regen machten wir uns auf in das gelobte Orgosolo. Eine Führung gab es zwar, aber wegen der engen Straßen haben die wenigsten alles verstanden. Und Regenschirme brauchen viel Platz. Mir hat der Ort selbst mit seiner schönen Lage besser gefallen als die Murales (Wandgemälde/Graffiti). Angefangen als Protestaktion, sind sie inzwischen eine touristische Attraktion. Interessant fand ich die vielen unterschiedlichen Bereiche, die in den Bildern aufgegriffen wurden.

sardinien_orgosolo
sardinien_orgosolo

 Kaum saßen wir im Bus, zeigten sich zaghafte Sonnenstrahlen auf dem Weg nach Mamoiada.

Der Besuch eines Maskenmuseums und ein anschließendes Mittagessen waren der letzte Programmpunkt.

sardinien_bei_orgosolo
Bei Orgosolo

Mamoiada

Ganz ehrlich, ich hatte keine Lust auf das Museum. Bin aber doch wie fast alle mitgegangen, um nicht draußen zu warten. Ein Film sollte gezeigt werden. Allein der Film hat mich mit dem bisherigen nassen Tag versöhnt. Packend und anschaulich mit einer ungewöhnlichen Kameraführung ist er ein Kunstwerk für sich. Wir hörten eine deutsche Version, die wunderbar auf den Besuch der eigentlichen Ausstellung vorbereitete.

sardinien_mamoiada_maskenmuseum_vorfuehrraum

Oben sieht man den Vorführraum mit den Leinwänden, auf denen sich das Geschehen des Films gleichzeitig abspielte. Man muss es gesehen haben, es ist nicht gut zu beschreiben.

Auf zum Mittagessen, aber wo war unser Reiseleiter?

Niemand konnte etwas über seinen Verbleib sagen. Die Busfahrer und der zweite Reiseleiter Sinise (er war zur Ausbildung mit im Bus) machten sich auf die Suche.

Ich machte währenddessen die Fotos unten. Die Idylle ist gleich auf der anderen Seite das Museums neben der Kirche, ebenso wie das Schild. Und wie man sieht, hat die Sonne sich nicht hinter den Wolken versteckt.

Wir warteten eine knappe halbe Stunde auf ihn, auf einmal tauchte er mit unserem Gastgeber auf.

 

38 hungrige Mäuler setzten sich bald zum Essen in die "Bar Pizzeria Griglieria S' Incontru ".

Die Tische waren einfach gedeckt, wegen des wechselhaften Wetters haben in einem Nebenraum statt im Garten gegessen. Ich denke, wir bekamen typisch sardische Spezialitäten aufgetischt.   Würzige Wurst, Bauchspeck (nicht meins) und ausgesprochen guter Peccorino und Mozzarella. Dazu das dünne knusprige Hirtenbrot "Pane Carasau", Wasser und einen sehr süffigen Wein.

Die Tonkrüge mit dem Wein wurden großzügig nachgefüllt, die Stimmung  war entsprechemd locker.

Die angekündigte Folklore bestand aus einem jungen Akkordeonspieler und ein paar Tanzschritten. Nicht, dass ich wild auf ein größeres Programm gewesen wäre.


Cannigione

Gut gelaunt machten wir uns auf den Weg zu unserm Hotel in Cannigione. Die Zeit bis zum Abendessen vertrieben wir uns mit dem Erkunden der Ortschaft. Das war auch gut so, denn anschließend fehlte uns dafür die Zeit. Das Örtchen liegt zwar am Meer, aber in einem Golf. Gut für einen Hafen, schlecht für diejenigen, die das offene Meer lieben.

sardinien_yachthafen_von_cannigione

Hier lagen einst Fischerboote, heute beherrscht der Hafen den kleinen Ort. Wir kamen auf unserem Weg zum Hotel immer an einer Felsformation in Form einer Ente vorbei. Vom Aussehen eher ein Quietscheentchen mit einem breiten Schnabel. Für ein paar Sekunden auch gut zu erkennen, der Bus hat aber leider nie für ein Foto gehalten.

Wir genossen die laue Sommernacht auf dem großzügigen Hotelbalkon bei einem Glas Rotwein. Aus dem Augenwinkel heraus sah ich eine kleine Bewegung - ein Gecko. In Zeitlupe bewegte ich mich zu meinem Fotoapparat im Zimmer. Ich hatte Glück, er verschwand Sekundenbruchteile nach den Fotos.

Das Blu Hotel Laconia ist eindeutig auf Reisegruppen ausgerichtet, wir haben zeitversetzt gegessen. Beim Essen waren Vorspeisen und Nachspeisen sehr gut, die Hauptgerichte konnten nicht überzeugen. Den Strand, etwa 15 Gehminuten  vom Hotel, haben wir nur vom Bus aus gesehen.


Korsika

16.05,2018

blick_von_der_faehre_auf_korsika

Nach dem Frühstück (früh ist hier wörtlich zu nehmen, 7.00 h) machte sich der größte Teil unserer Gruppe auf den Weg nach Korsika. Bonifacio und Porto Veccio standen auf dem Programm, zwei nur 20 Kilometer voneinander entfernte Hafenstädte. Von Santa Teresa di Gallura brachte uns die Fähre samt Bus nach Bonifacio. Auf dem Boot litt unser Busfahrer an Seekrankheit, er fühlte sich an Bord seines Riesenbusses sichtlich wohler.


Porto Veccio

Nach dem Anlegen fuhren wir erst einmal durch bewaldetes Gebiet in das etwa 20 Kilometer entfernte Porto Veccio. Dort führte uns Francesco mit einigen Erklärungen. Aber die meiste Zeit gingen wir alleine, was auch nicht übel war. Durch die Gassen ging es rauf und runter, teilweise auch über Treppen. Den Hafen "Porto" haben wir nicht gesehen, der lag unterhalb der Stadt, also nur Veccio. Aber Scherz beiseite, auffällig fand ich hier die vielen Häuser aus Granit, anders als das, was wir bisher gesehen hatten.

Die Kirche Saint Jean Baptiste mit dem prächigen Kirchenschiff habe ich mir etwas genauer angeschaut. Bei dem schlichten Äußeren des Gebäudes überraschte mich das Innere, die bunt gefassten Heiligenfiguren  ganz besonders.

Zeit für die Bedürfnisse und die Suche nach einem Platz, sie zu befriedigen. Fast die gesamte Gruppe ließ sich am Hauptplatz nieder. Wir hatten insgesamt knappe zwei Stnden Zeit. Ich bin mit einem Gebäck in der Hand herum gewandert und entdeckte erst ganz am Schluss die netten Lokale mit Blick auf den Hafen. Da rannte ich aber bereits wieder zum Busparkplatz.

korsika_porto_veccio_saint_jean_baptiste

Bonifacio

korsikas_kreidefelsen_bei_bonifacio
Der Blick von Bonifacio auf die Kreidefelsen

Wie zuvor steuerte unser Bus durch die engen Straßen Bonifacios, teilweise mit wenigen Zentimetern Abstand. Vom Parkplatz am Hafen wurde wieder ein Touristenbähnchen angeboten. Dieses Mal setzte auch ich mich hinein, obwohl ich mir ein wenig blöd vorkam. So sparte ich mir die vielen Treppen zu der Zitadelle und der Altstadt.

Von oben hat man einen wunderbaren Blick auf die blendendweißen Kreidefelsen und den fjordähnlichen Hafen.

Jonathan oder Amanda, diese besonders schöne Möwe verdient einen Namen. Jonathan nach  Jonathan Livingston Seagull, dem außergewöhnlichen freiheitsliebenden Vogel aus dem Buchklassiker von Richard Bach. Wobei das Posen eher weiblich ist. Also Amanda (die zu Liebende).

Amanda saß trotz der vielen Menschen ungerührt auf der Mauer. Und überhaupt, wer beobachtet hier wen? Wir Amanda oder Amanda uns? Ist sie am Ende vom Tourismusverband angestellt oder hofft schnöde auf Futter? Hier ließe sich beliebig weiter spinnen!

moewe_in_bonifacio

Korsika ist auch die Insel des kleinen, großen Korsen Napoleone Buonaparte, später Kaiser Napoleon. In Ajaccio an der Westküste geboren, war er in frühen Jahren Festungskommandant in Bonifacio. Unten Fotos des Wohnhauses des Kommandanten und der Kaserne.

Erhalten geblieben sind die Überreste alter Mühlen, eingebettet in typische graublättrige mediterrane Pflanzen. Der malerische Zaun ist aus robustem Kastanienholz, auch in Italien wird das Holz gerne für Stützen und Gerüste verwendet.

alte_muehle_in_bonifacio

Noch ist keine Saison, die Lokale haben wenige Gäste, die malerischen Gassen  sind noch nicht überlaufen. Was die steinernen Stützbögen für einen Zweck haben, weiß ich nicht. Auf jeden Fall sind sie sehr dekorativ.

bistro_in_bonifacio

Etwa zwei Stunden hatten wir für das schöne Städtchen, das reicht für einen guten Überblick. Für mehr reicht es leider nicht, zum Abschluss habe ich noch einen Blick in zwei Kirchen geworfen.

Saint-Jean-Baptiste mit einer drastischen Darstellung des Schicksals Johannes des Täufers, die auf Prozessionen durch den Ort getragen wird.

Sainte-Marie-Majeure ist vor nicht all zu langer Zeit renoviert worden und erstrahlt in frischem Glanz. Romanischen Ursprungs wurde sie im 18.Jahrhundert barock umgestaltet. 

korsika_bonifacio_saint_jean_baptiste
korsika_bonifacio_sainte_marie_majeure

Bevor wir wieder in das Bimmelbähnchen steigen, mache ich mein letztes Bonifacio Foto. Deutlich erkennt man den Wehrgang zur Festung und am unteren Rand den Hafen. Zufrieden mit dem Tag besteigen wir die Fähre nach Santa Teresa di Gallura. 50 Minuten dauert die Fahrt.

korsika_bonifacio_weg_zum_hafen
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