Bücher

Illustration: Kate Greenaway

Bücher und Geschichten waren schon sehr früh eine große Leidenschaft von mir.

Leider (aus Kindersicht) gab es in unserem Haushalt Goethe, Schiller, ein altes Kochbuch, "Hygiene für die Frau" und eine Heiligenlegende -  nichts Interessantes.

Da ich noch nicht lesen konnte, schaute ich mir die Martyrerbilder und die nicht weniger schauer-lichen im Hygienebuch an. Ich erfand meine eigenen kleinen Geschichten von zwei Affen, die nur Blödsinn im Kopf hatten und gab sie an meine gebannt lauschenden kleineren Geschwister weiter.

Die Schule beendete meine Erzählerkarriere, bald konnte ich dank der Bücher in fremde Erlebnisse, Abenteuer und Welten eintauchen.

Zum achten Geburtstag bekam ich mein erstes eigenes Buch, das ich monatelang sehnsüchtig beäugt hatte. Ganz links oben im Schaufenster der Buchhandlung war das Objekt meiner Begierde. Es hieß, glaube ich, "Brüderlein und Schwesterlein". Das Cover zeigte ein Rehkitz und ein Mädchen mit ihrem kleinen Bruder. Meine Freude beim auswickeln war riesig , hat es damals doch 2,95 DM gekostet, was in Relation zu unserem schmalen Familieneinkommen sehr viel war. Mein Vater war Kunstmaler und das Essen stand an erster Stelle. Wir Kinder wußten das und waren sehr bescheiden.

Nachdem ich in der Bücherei alles gelesen hatte, las ich Schiller und Goethe, besagte Heiligen-legende und das mehrbändige Lexikon, das inzwischen dazu gekommen war.

Um in Ruhe lesen zu können, habe ich mir viele Tricks einfallen lassen. Mein liebster Platz war hoch in einer Eiche im Garten auf einer bequemen Astgabel.

Ein "Bücherfresser" bin ich bis heute geblieben.

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