Ein Tag in Köpenick

Ich habe zwar keinen Koffer in Berlin, aber meine Tochter und meinen Bruder. Und darum muss ich immer wieder hin. Die touristischen Ziele sind abgegrast, aber Berlin ist groß. Dieses Mal lasse ich mich auf Liedertexte und etwas Kunst und Literatur ein.  Köpenick kommt mir in den Sinn, Zuckmayer, der Hauptmann  - der Rest ist mir unbekannt.  Grund genug, hin zu fahren.

 

Blick vom Luisenhain auf die Dahme, im Hintergrund links die Spree

Köpenick: Blick vom Luisenhain auf die Dahme

Dass Köpenick eine Wasserstadt ist, wusste ich auch noch. Außerdem, dass der berühmte Hauptmann aus Tilsit war.

Also habe ich mir die Tageskarte AB (aktuell 7,00 €) im Automaten besorgt und bequem mit EC Karte bezahlt, die teuerste Variante ABC kostet 7,60 €. Davon können wir in München nur träumen. Außerdem gibt es im Großraum Berlin keine Stammstreckenfalle, es finden sich immer Ausweichmöglichkeiten. Sehr angenehm!

Dafür ist unser Flughafen schneller fertig gewesen.

Der Hauptmann von Köpenick

Am Hauptbahnhof Köpenick fuhr ich mit der Tram nach Alt-Köpenick.

Und schon ist man mitten im Geschehen, beim Aussteigen kann der erste Weg zur Dahme mit der Anlegestelle für die Ausflugsboote führen. Oder zum Ort der vielleicht größten Posse in der deutschen Geschichte und Literatur. Sogar der Kaiser soll sich amüsiert haben!

Carl Zuckmayer hatte schon nach einem knappen Jahr ein kleines Vermögen mit seiner Komödie verdient, die sehr erfolgreich auf den Berliner Bühnen war.

Das Rathaus von Köpenick

Das Rathaus von Köpenick

Natürlich führte mich der erste Weg zum Wasser, von einer Bank aus genoss ich eine Weile die Sonne und den Blick über die Dahme. Dann machte ich mich auf zum schönen Backstein-Rathaus mit der Ausstellung über den Schuster Wilhelm Voigt, alias Hauptmann von Köpenick.

Aus Bronze begrüßt er jeden Besucher am Eingang.

Straßenschild in Alt-Köpenick

Die Touristeninformation ist nur ein paar Meter weiter am Schlossplatz, dort bekommt man eine praktische kleine Broschüre mit Informationen. Daran wollte ich mich in etwa halten. Mal sehen, was Köpenick außer dem Hauptmann sonst noch zu bieten hat.

Schloss Köpenick mit dem Park

Köpenick: Das Schloss

Die Schlossinsel war schon vor etwa 3000 Jahren besiedelt, das jetzige Barockschloss wurde 1690 für den späteren König Friedrich l. in Preußen fertiggestellt. Nun ist  ein Museum darin unter-gebracht.

Mir war mehr nach einem Tag an der frischen Luft. Der schöne englische Landschaftspark  mit den alten Bäumen und den Blumenrabatten und Bänken hat nach einem kurzen inneren Kampf gegen das Kunstgewerbemuseum gewonnen.

Da fast jede Frau immer auf der Suche nach besonderen Geschenken für sich und andere ist, habe ich über die Brücke die Insel wieder verlassen. Ich bin schnurstracks zurück zum Schlossplatz gegangen, wo die sehr übersichtliche Fußgängerzone Alt-Köpenicks beginnt . 

Auf der Ecke zur Grünstraße habe ich gleich einen kleinen, gut sortierten Stoffladen entdeckt. Bunte Fetzen bietet neben Stoffen und Zubehör auch eine Nähschule. Im Stoffläden finde ich eigentlich immer etwas, was ich dringend brauche. Nur gehen mir die Lagerkapazitäten aus und mir fehlt im Moment auch die Zeit.

Zu meinem Trost fand ich eine Minute später fuss.kleid, einen schönen kleinen Schuh-laden, der seinen Kunden den roten Teppich ausrollt. Die Inhaberin Katrin Starke steht nicht den ganzen Tag mit breitem Lachen am Eingang, um Kunden in den Laden zu zerren. Sie ist im Gegenteil sehr unaufdringlich und aufmerksam in der Beratung. Sie trägt ihre ausgefallenen, bunten Schuhe natürlich auch selbst. Für weniger Wagemutige hat sie auch gedeckte Farben.

Nach einem netten Plausch habe ich sie um ein Foto für meinen Blog gebeten.

Grünstraße

So klein die Grünstraße ist, es gibt doch ein attraktives Angebot. Von der Chocolaterie habe ich besser nur ein Foto gemacht.

Und das Shabby Rose war leider an dem Tag geschlossen. Dabei hätte ich hätte so gerne gestöbert. Es gibt zwar auch einen Online.Shop, aber ich kaufe lieber in echten Läden.

Fischerkietz

Fischerkietz in Köpenick

Mein besonderer Tipp ist das Dorfidyll des Fischerkietz, einer Ansiedlung, die auf das 14. Jahrhundert zurück geht. Die beiden Straßen Kietz (Fotos)  und Gartenstraße stehen zu Recht unter Denkmalschutz mit ihren  ehemaligen Fischerhütten.

In ihnen wohnten früher die Schlossbediensteten und Leibeigenen.

Die jetzigen Bewohner der "Puppenhäuser" haben immer noch einen Wasserzugang.

Fischrelief an einer Hauswand im Fischerkietz

Köpenick: Fischrelief an einer Hauswand im Fischerkietz

Durch die Breite Gasse (Seitenstraße von Kietz)   sieht man im Hintergrund das Wasser des Frauentog schimmern. Netterweise steht dort eine Bank, von der man einen Blick auf das Schloss und Teile der Altstadt hat.

Der Name Frauentog (Tog=Zug) geht auf die Geschichte eines erfolgreichen Frauenfischzugs nach dem 30-jährigen Krieg zurück, die an dieser Stelle erfolgreich ihre Netze auswarfen. Die Hungersnot nach dem 30-jährigen Krieg war groß und ihre Männer hatten zuvor kein Glück in der Spree.

 

Blick vom Fischerkietz auf den Frauentog

Köpenick: Blick vom Fischerkietz auf den Frauentog

Am frühen Nachmittag aß ich in einem Bistro einen Gemüsekuchen. Den Namen verschweige ich, da das Essen lediglich satt gemacht hat. Leider war Zur alten Laterne noch  geschlossen, wo mich schon der Blick auf die Speisekarte erheitert hat.

Am alten Markt steht das Haus mit Gedenktafel für Henriette Lustig, der ersten Lohnwäscherin Köpenicks.

In einem anderen alten Waschhaus ganz in der Nähe hat sich ein bayrisches Wirtshaus mit Biergarten angesiedelt. Nun weiß ich endlich genau, wie weit es nach Hause ist. Ist die Dachterrasse in München? Hier fehlt kaum etwas zum bayrischen Klischee.

Ganz in der Nähe, wobei hier alles ganz in der Nähe ist, entdecke ich etwas versteckt einen reizenden Winkel mit einer schönen Litfaßsäule. Als ich neugierig näher trat und durch die geöffnete Türe neben der Litfaßsäule schaute, erzählte mir eine junge Frau, dass hier Zilles Stubentheater seinen neuen Spielplatz hat. Ich durfte trotz der Arbeiten schon einmal rein schauen und bekam eine Einladung in die Hand gedrückt. Die gilt auch für meine Leser, die Interesse an Zille und Altberliner Traditionen haben.

Eröffnungsfeier am Sonntag, d. 16. Oktober 2016 in der Jägerstraße 4,

Nähe Schüßlerplatz von 11-17 Uhr

Ihre Aufwartung machen:

berühmte Berliner Originale

der Bürgermeister von Köpenick

viele Künstler mit Programm,

beim Urenkel von Zille wurde angefragt

 

Der Initiator ist der Heinrich Zille-Darsteller Albrecht Hoffmann, und er verspricht auch noch einige Überraschungen.

Köpenick: Das neue "Zilles Stubentheater" in der Jägerstraße 4

Das neue Zilles Stubentheater in der Jägerstraße 4

 

 

Darsteller Albrecht Hoffmann und Heinrich Zilles Urenkel Hein-Jörg Preetz-Zille

Köpenick: Letzte Arbeiten im Stubentheater, September 2016

Letzte Arbeiten im Stubentheater

Eine schöne alte Schwengelpumpe am Schüßlerplatz, wie man sie immer wieder mal in Berlin sehen kann. Nach energischen Anpumpen funktioniert sie einwandfrei.

Köpenick; Eine schöne alte Schwengelpumpe am Schüßlerplatz

Mein nächster Punkt auf meinem Spaziergang durch die Altstadt war der Katzengrabensteg, die Straße Katzengraben war im 18.Jahrhundert ein Ent-wässerungsgraben, der später zugeschüttet wurde. Von der Entwässerung ist bis heute die Baumgarteninsel geblieben, die aus dem ausgehobenen Erdreich entstand, erst den Wäscherinnen als Bleichwiese diente und nun eine Kleingartenanlage ist.

Blick vom Katzengrabensteg , rechts im Bild die Baumgarteninsel

Köpenick: Blick v. Katzengrabensteg auf die Baumgarteninsel

Katzengrabensteg                                             Baumgarteninsel

Nun hatte ich nur noch Freiheit auf meiner Liste im Kopf, ein wunderbarer Name für eine Straße. Eine Tafel ließ mich wissen, dass hier einst die Hugenotten Zuflucht fanden. Die Straße wurde im 18.Jahrhundert eigens für sie errichtet. Hier wohnten sie und stellten Textilien her.

Meine eigenen hugenottischen Vorfahren fanden dagegen in Ostpreußen eine neue Heimat.

Köpenick: Straßenschild Freiheit

Ein letzter Blick zurück  auf die Altstadt von Köpenick auf dem Rückweg zum Bahnhof

Köpenick: Blick auf die Altstadt